Biotopeinrichtende und -lenkende Maßnahmen

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…im Bereich Offenland

Die Maßnahmen des Offenlandes werden flächenspezifisch durchgeführt. Sie setzten sich aus einer einmaligen Ersteinrichtung und einer anschließenden Instandsetzungspflege (max. 3 Jahre) zusammen, bis die Grasnarbe für die Durchführung der Dauerpflege geeignet ist. Oft haben sich seit der Erstellung des Pflege- und Entwicklungsplanes in 2012 die Rahmenbedingungen auf den Flächen verändert. Bevor mit den Arbeiten begonnen werden kann, ist daher eine Prüfung der Flächen erforderlich, um Störungen wie Eintrag von Müll, Windwurf, etc. festzustellen und, entsprechend den vorgefundenen Verhältnissen, die Wahl der benötigten Arbeitsgeräte zu treffen.

Ausgangslage:

Die Topographie des Vogelsbergs bringt verstreute, oft kleinflächige Wiesen auf nährstoffarmen Böden mit sich. Das bedeutet für die Landwirte einen erhöhten Arbeitsaufwand. Flächen, die nur schwer zu erreichen bzw. nicht mit den modernen Maschinen befahrbar sind, werden deshalb nur noch in Ausnahmefällen genutzt und sind meist brach gefallen. Teilweise wurden diese Wiesen sogar mit Nadelgehölzen aufgeforstet. Hinzu kommt, dass sich durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft, der zu einer Intensivierung der Produktion und damit auch zu leistungsfähigeren Rinderrassen führte, auch die Ansprüche der Landwirte verschoben haben. Sie benötigen mehr proteinreiches Futter, das vor allem aus Klee und nahrhaften Gräsern besteht, um ihre Tiere zu versorgen. Diese Pflanzen haben einen hohen Nährstoffbedarf und werden für ein besseres Wachstum regelmäßig gedüngt. Dadurch werden allerdings die seltenen Kräuter der farbenprächtigen Bergmähwiesen, Borstgrasrasen, etc. verdrängt. Für die Reaktivierung der verlorengegangenen wertvollen Wiesen setzt sich das NGP deshalb verstärkt ein.

Wiederherstellung artenreiches Grünland

  • auf verbrachten und unternutzten Flächen (Mahd) (ED1)

Liegen Flächen länger brach, bildet sich eine stark verfilzte Grasschicht mit einem hohen Anteil an abgestorbenem Pflanzenmaterial und dichtem Moosbewuchs. Um die Wiesennutzung wieder in Gang zu bringen, werden solche Flächen gemäht und das Mahdgut abgeräumt. Nicht immer ist der Traktor dafür Mittel der Wahl. Auf feuchten Flächen lässt sich beispielsweise gut eine Mäh- oder Mulchraupe einsetzen. Diese Geräte sind klein und wendig und hinterlassen mit ihrem geringen Gewicht und den Ketten kaum Fahrspuren. Aufgrund der geringen Arbeitsbreite von ca. 1,2 m ist der Zeitaufwand auf großen Flächen jedoch oft sehr hoch. Im Frühjahr oder Herbst werden die Flächen bei Bedarf zusätzlich gestriegelt. Bei diesem Arbeitsschritt werden Moos und totes Material aus den Beständen „ausgekämmt“, die Grasnarbe wird wieder besser durchlüftet und die Bestände können sich erholen.

  • auf verbuschten Flächen (ED2)

Bleibt die regelmäßige Mahd der Wiesen aus wandern in relativ kurzer Zeit Gehölze ein, zunächst als zarte Pflänzchen, die sich aber schnell zu wuchernden Gebüschen entwickeln. In diesen Fällen sorgt das NGP dafür, dass die Gehölze vollständig gerodet werden und sich nach und nach wieder eine nutzbare Wiese entwickeln kann. Zum Abtransport sind oft große Maschinen, wie Rückefahrzeuge notwendig. Die Hauptarbeit wird aber meist mit der Motorsäge erledigt. Oft ist es sinnvoll die Gehölze samt ihrer Wurzeln zu entfernen. Dies hat den Vorteil, dass ausläuferbildende Arten, wie beispielsweise der Schwarzdorn, nachhaltig beseitigt werden und keine Stubben zurückbleiben, die beim Mähen hinderlich sein könnten. Fäll-, Rodungs- und Rückearbeiten sind nur von Oktober bis Ende Februar, außerhalb der Vogelbrutzeit, möglich. Entscheidend für den Erfolg solcher Maßnahmen sind auch die Nacharbeiten. Nur wenn möglichst wenig Hindernisse (Holzstücke, Steine, etc.) auf der Fläche verbleiben, kann das aufgebrachte Druschgut problemlos keimen und reibungslos gemäht werden.

  • auf aufgeforsteten Flächen (ED3)

An einigen Stellen im Projektgebiet ist es sinnvoll größere Gehölzriegel zu entfernen. Dies trifft vor allem auf nicht einheimische Gehölze zu. In der Regel handelt es sich dabei um Fichtenforste. Für wandernde Insekten, wie beispielsweise Schmetterlinge, stellen sie unüberwindbare Wanderhindernisse dar. Außerdem beschatten die „Gehölzwände“ das angrenzende Grünland. Für die Rodungsarbeiten werden meist große Maschinen eingesetzt. Gut geeignet sind vor allem Bagger, die durch ihre breiten Ketten trotz ihres hohen Gewichts vergleichsweise wenig Schaden anrichten. Auch bei dieser Maßnahme sind die Nacharbeiten entscheidend. Es sollte immer möglichst sauber abgeräumt werden.

  • auf extrem artenarmen Grünland und Ackerflächen (ED4)

Stark aufgedüngte und bis zu viermal im Jahr gemähte Wiesen bestehen meist nur noch aus sehr wenigen Arten. Die Pflanzengesellschaften werden von Gräsern und Weißklee dominiert. Diese bieten nur geringfügig einen Lebensraum für Insekten und dienen somit auch den Vögeln nicht mehr als Jagdrevier. Der Verlust von Pflanzenvielfalt zieht also auch einen Verlust von Tierarten nach sich. Das NGP unterstützt die Landwirte deshalb dabei zu einer traditionellen extensiven Bewirtschaftung zurückzukehren, sowohl auf Intensivgrünland, als auch auf Ackerflächen.

  • in verarmten entwicklungsfähigen Beständen (ED5)

Verarmte Wiesen, die noch eine gewisse Grundstruktur der Berg- oder Flachlandmähwiesen besitzen, werden mit einem sogenannten Wiesenstriegel bearbeitet, der Moose und verfilzte Vegetation „auskämmt“ und der Wiese so die Möglichkeit gibt sich zu regenerieren. Durch das Striegeln entstehen außerdem offene Bodenstellen, auf die Druschgut von artenreichen Wiesen aufgebracht wird. Zusätzlich verzichtet der Landwirt bei seiner Bewirtschaftung der Fläche in Zukunft auf den Einsatz von Stickstoffdünger und mäht nur zweimal im Jahr nach Terminvorgabe. Dies soll dabei helfen verloren gegangene Arten wieder anzusiedeln. Für den Landwirt bedeutet diese extensive Bewirtschaftung allerdings einen Ertragsausfall und damit auch finanzielle Einbußen. Das Hessische Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen – kurz HALM – springt an dieser Stelle ein und fördert diese besonders nachhaltige Form der Landbewirtschaftung, welche dabei hilft die Biologische Vielfalt in Hessen zu bewahren.

Entwicklung von sehr artenreichem Grünland zur Stabilisierung und Ausweitung seltener Pflanzenbestände (ED6)

Eine für das Projekt sehr wichtige Maßnahme ist der Wiesendrusch. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem ein gewöhnlicher Mähdrescher die reifen Samen von artenreichen Wiesen drischt. Hierbei ist Fingerspitzengefühl gefragt. Denn anders als beim Getreide sind die Samen der verschiedenen Wiesenblumen unterschiedlich aufgebaut. Einige sind staubkornklein, andere beinahe erbsengroß. Es ist Detailarbeit die Maschine so einzustellen, dass möglichst viele Samen-Arten eingefangen werden und dazu möglichst wenige Stängel. Dies erleichtert das Ausbringen und das Keimen des Druschguts. Das gewonnene Material kann nach einem intensiv betreuten Trocknungsvorgang ca. zwei bis drei Jahre eingelagert werden, bevor seine Keimfähigkeit stark abnimmt. So steht dem Projekt stets artenreiches Druschgut zur Verfügung, dass im Bedarfsfall ausgebracht werden kann.

Zur Stabilisierung artenreicher Bestände können diese außerdem mit einem Wiesenstriegel bearbeitet werden. Die Nutzung richtet sich nach einer Mahd mit Terminvorgabe sowie dem Verzicht auf Stickstoffdünger.

Wiederherstellung artenreicher Weiden und Magerrasen auf verbrachten und verbuschten Flächen (ED7)

Dieser Maßnahmenkomplex beinhaltet ähnliche Arbeiten wie jene, die im Rahmen der ED1- und ED2-Kategorie erläutert wurden. Allen voran sind die Entgrasung/Entfilzung und die Beseitigung von Gehölzen zu nennen. Im Rahmen der Entbuschungen werden, bis auf wenige Bäume und Einzelbüsche, alle Gehölze entfernt. Ältere landschaftsprägende Bäume, Hute- und Habitatbäume sind zu erhalten. Insgesamt wird darauf geachtet den Anteil der Gehölze an der Gesamtfläche möglichst nicht unter 5% fallen zu lassen. So finden Neuntöter und Raubwürger auch nach der Maßnahme noch die für sie wichtigen Lebensraumbestandteile vor.

Auf reinen Beweidungsflächen ist nach der Entbuschung keine Stockfräsung notwendig. Ein Nachsäubern der Fläche von Kleingeäst und Materialauflagen wirkt sich aber positiv auf die Magerrasenentwicklung aus. In einzelnen Fällen kann auch eine Mahdgutübertragung oder Einsaat mit Wiesendrusch in Erwägung gezogen werden, um schnellere Wachstumserfolge zu erzielen. Dies gilt insbesondere für Flächen, die nach Durchführung der Maßnahme überwiegend vegetationsfrei sind.

Von großer Bedeutung für die Wiederherstellung artenreicher Weiden und Magerrasen ist, anschließend an die einmaligen Maßnahmen, eine angemessene Nachpflege. Wiederholte Ziegen- oder Schafbeweidung ist für viele Lebensraumtypen die am besten angepasste Nutzung, was mit der Trittbelastung und dem Fraßverhalten zusammenhängt. Ziegen können beispielsweise Gehölze gut zurückdrängen. Rinder haben ein ähnlich gutes Fraßverhalten wie Schafe, können im Gegensatz zu diesen aber größere Trittschäden hinterlassen. Sie eignen sich daher nicht für trittempfindliche Lebensraumtypen wie Borstgrasrasen. Auf entbuschten Flächen sollte die Beweidung scharf sein (d.h. drei Beweidungsgänge im Jahr, möglichst auch in den Monaten Mai bis Juli), um einen guten Verbiss der neuen Gehölzaustriebe zu bewirken. Besonders gut ist die Pflegeleistung, wenn eine größere Herde kürzere Zeit auf der Fläche weidet. Dies fördert eine gleichmäßige Abweidung und verringert die Tritt- und Parasitenbelastung. Vor allem bei der Rinderbeweidung werden kurze Weidezeiten mit mehr Tieren besser von den Magerrasen vertragen als ein geringer Besatz mit langer Weidedauer.

Arnika- eine selten gewordene Heilpflanze
Glockenblumen und Margeriten auf einer Bergmähwiese